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Lungentransplantation

Der Umgang mit einer COPD - der Arzt stellt die Weichen!

 

 

Mit einer chronischen Atemwegserkrankung, also mit einem Asthma bronchiale, mit einer chronisch obstruktiven (einengenden) Lungenerkrankung oder mit einem Lungenemphysem (Lungenüberblähung), zu leben, ist nicht so einfach.

 

Am Anfang steht die Diagnose; sie muss aber „sicher" sein! D. h. der Arzt wird dann zu seinem Patienten sagen: „Sie haben ein Asthma bronchiale" oder „Sie haben eine dauerhafte Einengung der Atemwege, eine COPD".1)

 

Von der Krankheit „Asthma" dürften wohl die meisten Patienten, wenn sie erstmals mit dieser Diagnose konfrontiert werden, schon einmal gehört haben. Was aber bedeutet es, eine COPD zu haben. Befragungen haben ergeben, dass kaum jemand mit diesem Wort etwas anfangen kann. Ein erstaunliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt Millionen von Menschen an einer COPD erkrankt sind. Und zwar nicht nur ältere Männer, sondern auch noch gar nicht so alte Frauen!

 

Weil die Unkenntnis über das Wesen und die Folgen einer COPD für die davon Betroffenen noch so weit verbreitet ist, haben die Informationen, die der Arzt seinen Patienten nach der Stellung der Diagnose gibt, - etwas überspitzt formuliert - eine „lebenswichtige" Bedeutung.

 

Wenn man mit COPD-Patienten darüber spricht, welche Informationen des Arztes für sie besonders wichtig gewesen wären, dann sollte die „ideale" Aufklärung über die Erkrankung folgende Punkte umfassen:

 

-     Der Arzt muss dem Patienten mit verständlichen Worten erklären:

 

-    Welche (u. U. schon schwerwiegende) Erkrankung der Lunge bei dem Patienten festgestellt wurde.

 

-    Welchen Schweregrad die „persönliche" COPD des Patienten hat.

 

-    Welche medikamentöse Behandlung er für angebracht hält und welche Grenzen hinsichtlich ihrer Wirkung  die verschriebenen Medikamente haben.

 

-    Wie wichtig für den weiteren Verlauf einer COPD die nichtmedikamen­töse Behandlung ist, also

 

-    der Verzicht auf das Rauchen (falls noch erforderlich)

 

-    eine angemessene körperliche Betätigung, z. B. Lungensport, Atemphysiotherapie, atemerleichternde Körperhaltungen, Lippenbremse.

 

-    Verringerung oder Erhöhung des Körpergewichts

 

-    Schulung und oder Informationen über den Umgang mit der COPD

 

-    DMP-Programm der Krankenkasse, der der Patient angehört.

 

-    Hinweise auf lokale, regionale oder bundesweit tätige Selbsthilfeorganisationen für Patienten mit einer COPD.

 

-    Info-Broschüren zur COPD, die der Arzt für „patienten-verständlich" hält und die er evtl. sogar dem Patienten schon mitgibt.

 

-    Welche Auswirkungen eine COPD als eine nicht heilbare Erkrankung auf den gesundheitlichen Zustand des Körpers als Ganzes - nach dem heutigen Erkenntnisstand der Medizin - hat, vor allem bezüglich des Herzkreislaufsystems.

 

-    Welche Bedeutung eine akut erheblich Verschlechterung (Exazerbation genannt) einer bestehenden COPD für den weiteren Verlauf und damit für die Lebensqualität und die Lebenserwartung des Patienten hat.

 

Weil dies so ist, sollte jeder COPD-Patient  einen schriftlichen Notfallplan haben und er sollte auch die Medikamente verordnet bekommen, die er im Notfall braucht.

 

Bei der Aufklärung des Patienten durch den Arzt über Art und Umfang seiner „persönlichen" COPD kommt es allerdings nicht nur darauf an, dass der Arzt in einer „laienverständlichen" Sprache spricht, sondern dass der Arzt zwischendurch auch immer wieder fragt, ob ihn der Patient auch wirklich verstanden hat oder ob der Patient selbst noch Fragen hat.

 

Dass eine „Aufklärung" des Patienten in der beschriebenen Art eine gewisse Zeit erfordert, wird nicht verkannt. Zu bedenken ist allerdings auch, dass nach der Diagnose „Sie haben eine COPD" die Patientin oder der Patient die Praxis des Arztes mit einer völlig veränderten Perspektive  nicht nur für sein eigenes Leben, sondern auch für sein partnerschaftliches und soziales Umfeld verlässt.

 

Was dem Patienten am wenigsten hilft, ist - vor den Hintergrund des häufig schwerwiegenden negativen Verlaufs einer COPD - eine Verharmlosung dieser Erkrankung. Sie nimmt dem Patienten nämlich auf jeden Fall die Chance, wenn er sie denn wahrnehmen will, so früh wie möglich auf „seine" COPD selbst angemessen zu reagieren.

 

Aus vielen Gesprächen wissen wir , dass nicht nur die allgemeine Unwissenheit über die „Volkskrankheit" COPD, sondern auch die häufig unzureichende Aufklärung über das „bösartige Wesen" der COPD sehr viel individuelles Leid zur Folge hat. Noch wird in viel zu vielen Fällen die Diagnose „COPD" tragischerweise zu spät gestellt.

 

Ein weiterer Mangel der Aufklärung des Patienten ist - wie wir immer wieder hören - die unzureichende Information über die Bewahrung oder die Wiedergewinnung der individuell (noch) möglichen körperlichen Leistungsfähigkeit.

 

Der Verlust der körperlichen „Funktionsfähigkeit" schon bei der Bewältigung (bisher) normaler Aufgaben im Alltag - Duschen, Anziehen, Gehen, Sprechen, Essen - führt viele COPD-Patienten direkt in eine Depression, die ihrerseits wiederum die Einstellung zur Therapie und zur Bewältigung der Erkrankung nachhaltig negativ beeinflusst.

 

Während des diesjährigen Kongresses der Pneumologen in Mannheim wurde daher eindringlich gefragt, ob nicht das Ausmaß der Verbesserung der körperlichen Betätigung zu einem wesentlichen Maßstab bei der Beurteilung des Erfolgs einer Therapie gemacht werden müsste.

So gesehen bräuchte ein COPD-Patient eher einen „Feet-Go-Meter" (Schrittzähler) als einen Peak-Flow-Meter (Ausatem-Spitzenfluss-Messer).

 

Fazit:  Die Diagnose „COPD" erfordert sowohl bei ihrer erstmaligen Stellung als auch im weiteren Verlauf der Behandlung eine angemessene „schonungslose Offenheit" des Arztes gegenüber seinem Patienten. Zumindest seinem behandelnden Arzt sollte kein COPD-Patient vorwerfen können, was er alles anders gemacht hätte, wenn er nur von der Schwere seiner Erkrankung mehr gewusst hätte.

 

Dr. Helmut Berck

 

•1) Die zuletzt genannte Erkrankung wird auch COPD genannt. Hinter dieser Abkürzung stehen die Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnung dieser Erkrankung, nämlich Chronic Obstructive Pulmonary Disease.       

 

Diagnose und Behandlung der COPD

Wie können Sie feststellen, ob Sie eventuell eine COPD haben?
Der folgende
Fragebogen kann Ihnen bei der Antwort helfen!

Umfassende Informationen zur Diagnose und zur Behandlung der COPD können Sie in der
Nationalen VersorgungsLeitlinie "Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD)" abrufen. Für die betroffenen Patienten wurde zudem auf der Basis dieser Nationalen VersorgungsLeitlinie eine sehr gut verständliche PatientenLeitlinie erstellt.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat
Informationen zur COPD veröffentlicht, die sich insbesondere an Patienten mit dieser chronischen Atemwegserkrankung und an deren Angehörige richten.


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