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Quälender Husten – was tun?Husten hat mehrere Gesichter: Zunächst ist Husten ein wichtiger Reinigungsreflex des Bronchialbaumes, der insbesondere dann zum Tragen kommt, wenn die Reinigung durch die Flimmerhärchen (zum Beispiel infolge deren Schädigung durch Rauchen) nicht funktioniert. Auch in Fällen der plötzlichen Überlastung des Systems, zum Beispiel, wenn man sich verschluckt oder bei Einatmung von sehr stark verunreinigter Luft (Rauch, Staub) wird Husten auftreten, um das Bronchialsystem zu reinigen. Husten, ein Symptom Husten ist aber auch das Symptom beinahe aller Bronchial- und Lungenerkrankungen, aber auch einiger Erkrankungen der oberen Atemwege, wie Nebenhöhlenentzündung, Reflux von Magensäure oder Nebenwirkung gewisser Medikamente. Husten ist zum Beispiel das Hauptsymptom einer akuten Bronchitis im Rahmen eines grippalen Infektes oder auch der chronischen Raucherbronchitis. Das macht Husten zu einer der häufigsten Beschwerden weshalb Patienten überhaupt einen Arzt aufsuchen. Husten und akute Bronchitis Die außerordentliche Häufigkeit des Symptoms Husten zwingt uns zur Klassifizierung: (Tabelle 1) Mit Abstand die häufigste Ursache des Hustens ist die akute Bronchitis im Rahmen von viralen Erkältungsinfekten (meist verursacht durch die sogenannten Rhinoviren; Influenzaviren sind für die echte Grippe verantwortlich, bakterielle Erreger verursachen extrem selten eine akute Bronchitis, weshalb auch die Einnahme von Antibiotika bei der akuten Bronchitis unwirksam ist).Häufig sind – zu Beginn oder am Ende des akuten Infektes – auch die oberen Atemwege, die Nase, die Nebenhöhlen, der Rachen und der Kehlkopf, befallen. Der Spontanverlauf einer unkomplizierten akuten Bronchitis erstreckt sich – bis zum völligen Abklingen – durchschnittlich über vier Wochen, in seltenen Fällen kann aber der Husten acht bis zwölf Wochen anhalten, zum Beispiel beim Keuchhusten. In einigen Fällen kommt es nach einem Infekt zu einer vorübergehenden Steigerung der bronchialen Empfindlichkeit und es tritt ein trockener, „asthmatischer“ Husten auf, der in der Regel ebenfalls bis zu acht Wochen dauert. Nach dieser Zeit sollte der Husten aber abklingen, falls es sich nur um einen harmlosen akuten Husten gehandelt hat. Weitere Untersuchungen sind innerhalb dieser acht Wochen meistens nicht erforderlich. Im Gegensatz hierzu: Ein chronischer Husten, der länger als acht Wochen anhält. Er muss mit Hilfe technischer Untersuchungen (Röntgenaufnahme der Lunge, Lungenfunktionsprüfung) abgeklärt werden. Die Diagnosemöglichkeiten Der akute Husten bedarf in der Regel nur der ersten Stufe der Diagnostik: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte und überzeugt sich durch eine körperliche Untersuchung, dass nichts Schlimmeres vorliegt (Tabellen 1 und 2). Beim Bluthusten, bei akuter Atemnot, bei hohem Fieber, bei nahem Kontakt zur Tuberkulosekranken oder Gewichtsabnahme etc. sind sofort weiterführende Untersuchungen fällig. Wenn ein Patient mit einem mehr als acht Wochen anhaltendem (also chronischem) Husten in die Praxis kommt (viele kommen erst nach Monaten oder Jahren), sollte daher sofort die Röntgenuntersuchung der Lunge veranlasst werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn der Patient ein bestimmtes Medikament gegen Bluthochdruck (ACE Hemmer) einnimmt, sollte – unabhängig von der Dauer der Einnahme und der bisherigen Verträglichkeit des Medikamentes – das Medikament abgesetzt beziehungsweise ersetzt und der Patient nach drei Wochen nochmals zur Kontrolle einbestellt werden. In der Regel hört der Husten, falls er vom Medikament verursacht wurde, bereits nach wenigen Tagen auf. Frauen erkranken mindestens doppelt so häufig an einem solchen Husten als Männer. Husten und chronische Bronchitis In vielen Fällen beim chronischen Husten führt die Röntgenaufnahme bereits zu einer Verdachtsdiagnose, die dann weiter abgeklärt werden muss: Ein Fleck auf der Lunge könnte Zeichen für einen Lungenkrebs oder für eine Tuberkulose sein. Auch andere chronische Lungenerkrankungen oder eine Herzschwäche könnten vorliegen und müssten dann weiter abgeklärt werden (Tabelle 1). Allerdings lassen sich sehr häufige Ursachen des chronischen Hustens, wie zum Beispiel Asthma und COPD (die chronisch obstruktive Lungenerkrankung), nur dann diagnostizieren, wenn die (normal ausgefallene) Röntgenaufnahme durch eine Lungenfunktionsprüfung ergänzt wird. Sie zeigt dann die für diese Erkrankungen typische Bronchialobstruktion: Eine Verengung der Bronchien, die den Luftstrom behindert. Schwierig wird die Diagnostik des chronischen Hustens immer dann, wenn weder die Krankengeschichte, noch die körperliche Untersuchung, noch die durchgeführte Röntgenaufnahme und Lungenfunktion, die Basisdiagnostik (Tabellen 1 und 2) Hinweise auf die mögliche Ursache des Hustens liefern. Der chronisch persistierende Husten (CPH)
Wenn die Ursache des chronischen Hustens nach Durchführung der oben erwähnten Untersuchungen weiter unklar bleibt, tritt der chronische Husten nicht als Symptom einer bekannten Erkrankung wie Lungenkrebs oder COPD, sondern sozusagen als eigenständiges Krankheitsbild in Erscheinung: Der chronisch persistierende Husten (CPH). CPH wurde als ein Husten (produktiv mit Auswurf oder trocken) definiert, der über acht Wochen anhält und dessen Ursache bei der Untersuchung sowie auf der Röntgenaufnahme und nach der Lungenfunktionsprüfung nicht ersichtlich ist. Hier kommt die unter Tabelle 3 aufgeführte Spezialdiagnostik – meist beim Spezialisten durchgeführt – zum Einsatz. Die Ursache eines solchen CPH sollte dort gesucht werden, wo Hustenrezeptoren zu finden sind. Dabei handelt es sich um die Nervenendigungen in der Schleimhaut, deren Reizung Husten auslöst. Solche Rezeptoren befinden sich in den oberen und unteren Atemwegen, aber auch in der Speiseröhre. Folgende Erkrankungen können für den CPH verantwortlich sein:
Die Behandlung des Hustens In der Medizin gilt immer: Die Ursache abklären und dann erst behandeln. Die chronische Nebenhöhlenentzündung sollte saniert (das heißt in den meisten Fällen operiert), die Tuberkulose mit entsprechenden Medikamenten kuriert, der Lungenkrebs falls möglich operiert werden. Die reine Behandlung des Symptoms Husten kommt dann in Betracht, wenn ursächliche Behandlungsmöglichkeiten zu langsam wirken oder ganz fehlen. Codeinhaltige Medikamente sind der Goldstandard der Behandlung des Symptoms Husten, häufig sind höhere Dosen (60 Milligramm Codeinphosphat pro Einnahme) erforderlich, um eine Linderung zu erzielen. In den meisten Fällen vom chronischen (und akuten) Husten gibt es keinen Grund, Patienten hustenstillende Medikamente vorzuenthalten. Die früher befürchtete Gefahr, dass dann das Sekret „stecken bleibe“, ist in der Regel als gering einzuschätzen. Zu achten ist jedoch darauf, dass Codein bei Patienten mit geschädigtem Atemzentrum (zum Beispiel schwere COPD) die schon beeinträchtigte Atmung weiter unterdrücken kann. Zu berücksichtigen ist auch eine mögliche Abhängigkeit. Kodein wird häufig von Drogensüchtigen als Ausweichdroge missbraucht. Andere synthetische und pflanzliche Antitussiva (hustenstillende Medikamente) sind eine Alternative. Auch komplex wirkende pflanzliche Hustenpräparate kommen zur Behandlung insbesondere des akuten Erkältungshustens in Betracht; gerade hier wirkt Codein eher schwach. Zuckersirup (und Lutschbonbons) wirken kurze Zeit hustenstillend durch Einhüllung der Hustenrezeptoren im Rachenraum. Es ist fast eine Reflexhandlung in der täglichen Praxis, – aber auch in der Apotheke – frei verkäufliche schleimlösende Mittel anstelle von Hustenblockern bei trockenem (oder produktivem) Husten zu verordnen. Nur ein Teil der Patienten profitiert hiervon. Die Indikation sollte vom subjektiven Erfolg abhängig gemacht werden. N-Acetylcystein ist in der üblicherweise angebotenen Dosierung (200 bis 600 Milligramm pro Tag) in der Regel unterdosiert. Es liegen Erfahrungen mit Dosierungen bis zu 1.800 Milligramm pro Tag vor. Diese hohe Dosierung ist also nicht bedenklich, allerdings für die Schleimlösung nicht zugelassen. Patienten mit Bronchiektasen und zähem Schleim könnten ebenfalls von einer hochdosierten schleimlösenden Therapie profitieren, am besten in der Kombination mit Physiotherapie bei einem speziell für die Physiotherapie der Atemwege ausgebildeten Therapeuten. Es gibt auch hustenvermeidende Atemphysiotherapie – Techniken für Patienten mit chronischem trockenem Husten, die der Patient in wenigen Sitzungen erlernen und dann immer wieder anwenden kann. Die Komplikationen des Hustens Die wichtigsten Komplikationen des Hustens sind in Tabelle 4 aufgeführt. Viele (meist stark übergewichtige) Patienten haben – oft unerkannte - Hustensynkopen. Es handelt sich um Störungen des Bewusstseins bis zum völligen Bewusstseinsverlust, der im Rahmen von Hustenanfällen auftreten kann. Spezial ausgebildete Atemphysiotherapeuten können solche Patienten mit guter Aussicht auf Erfolg behandeln. Erforderlich sind auch die Behandlung der Grundkrankheit, zum Beispiel COPD, die Normalisierung des Gewichts und die Aufgabe des Rauchens. Hustenbedingte Rippenbrüche sind eher selten und sollten immer Anlass zur Prüfung geben, um zu klären, ob die gebrochene Rippe vor dem Eintreten des Knochenbruchs gesund war, oder ob eine schwere Knochenentkalkung beziehungsweise der leider nicht so seltene Fall von Knochenmetastasen eines Tumors vorliegen könnte. Diese könnten dafür verantwortlich sein, dass der Knochen so leicht brach.. Viele Patienten geben an, dass sie sich in einen Asthmaanfall „hineinhusten“. Die sofortige Inhalation eines bronchialerweiternden Notfallsprays hilft im akuten Anfall. Ein Asthmapatient mit Husten hat jedoch in der Regel ein nicht ausreichend kontrolliertes Asthma; die Asthmabehandlung muss in einem solchen Fall intensiviert werden. Autor: Dr. Peter Kardos 60318 Frankfurt am Main Tabelle 1 Wichtige Ursachen des Hustens, ihre Klassifizierung und die Untersuchungen
Tabelle 2 Routinediagnostik beim Husten
· Krankengeschichte · Körperliche Untersuchung ·
Röntgenaufnahme
· Lungenfunktionsprüfung Tabelle 3 Sepzialdiagnostik bei chronischem Husten · Lungenfunktionsprüfungen · Computertomographie des Brustkorbes · Spiegelung der Bronchien · Laboruntersuchungen, einschließlich Untersuchung auf Keime · Herz - Ultraschalluntersuchung · Allergiediagnostik · Lungenszintigraphie (Isotopenuntersuchung der Lungedurchblutung und ggf. der Atmung) Tabelle 4 Komplikationen des Hustens
Autor: Dr. Peter Kardos niedergelassener Pneumologe Frankfurt am Main |
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| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 19. Mai 2010 um 03:53 Uhr |


